Über Sinn, Notwendigkeit und Nebenwirkungen von Impfungen wird sowohl bei Tieren als auch bei Menschen immer wieder heftig diskutiert. Impfgegner führen Impfstoff-Nebenwirkungen ins Feld. Solche Nebenwirkungen gibt es tatsächlich. Auf der anderen Seite ist es jedoch unumstritten, dass dank Impfprogrammen viele schwere Erkrankungen bei Mensch und Tier stark reduziert, wenn nicht sogar eliminiert werden konnten. So sind z. B. bei der Katze die Parvovirose (Katzenseuche) und beim Hund die Staupe in der Schweiz sehr selten geworden.

Die Tatsache, dass einige Daten zur Schutzwirkung von Impfstoffen, wie z. B. die genaue Dauer des Schutzes gegen eine Infektionskrankheit nach einer Impfung, wissenschaftlich erst unzureichend erforscht sind, ist nur einer von mehreren Gründen, weshalb es keine einfache und allgemein gültige Lösung in dieser Diskussion gibt. Es kommt noch hinzu, dass in gewissen Situationen eine Impfpflicht besteht: So müssen z. B. Katzen und Hunde bei Auslandreisen gegen Tollwut geimpft werden, und Katzen müssen vor dem Aufenthalt in Tierpensionen oder an Ausstellungen gegen gewisse Infektionserkrankungen geimpft werden.

Was sind Impfstoffe?

Impfstoffe sind biologische Produkte, welche Tiere oder Menschen vor Infektionserkrankungen schützen. Dieser Schutz wird vermittelt, indem eine Infektion verhindert wird, d. h., der Erreger kann im Körper des Tieres nicht überleben (z. B. bei der Tollwut-Impfung), oder indem klinische Krankheitszeichen sich nicht bzw. in nur einem geringen Ausmass entwickeln (z. B. bei der Katzenschnupfen-Impfung).

Unerwünschte Impfreaktionen bei der Katze

Der Impfstoffhersteller muss im Rahmen des Registrierungsverfahrens Wirksamkeit und Unschädlichkeit des Produktes nachweisen. Wie bei anderen Medikamenten kann die Anwendung von Impfstoffen jedoch auch unerwünschte Wirkungen auslösen. So kann einerseits die Schutzwirkung ungenügend sein, oder andererseits können Nebenwirkungen auftreten.

Keine Impfung ist 100 %ig wirksam: Sporadisch treten bei Katzen Infektionserkrankungen auf, obwohl sie dagegen geimpft wurden (so genannter Impfdurchbruch). Gründe für Impfdurchbrüche sind einerseits eine falsche Aufbewahrung, Handhabung oder Gabe des Impfstoffes. Andererseits können Gründe für eine ungenügende Schutzwirkung beim Patienten selber liegen: So sind Katzen, die an einer Schwäche des Immunsystems leiden (z. B. wegen einer Infektion mit dem Leukämievirus FeLV), Tiere mit einer erhöhten individuellen genetischen Empfänglichkeit für die Erkrankung oder Jungtiere besonders für einen Impfdurchbruch gefährdet. Jungtiere sind besonders anfällig auf einen Impfdurchbruch, wenn sie noch die mütterlichen Antikörper haben. Diese maternalen Antikörper wirken nämlich dem effektiven Aufbau einer Immunität nach einer Impfung entgegen. Auch bei Tieren, die zum Zeitpunkt der Impfung den Erreger schon beherbergen, ohne jedoch klinische Krankheitszeichen zu zeigen, können Impfdurchbrüche vorkommen.

Nebenwirkungen von Impfungen treten am häufigsten als unspezifische generalisierte Krankheitszeichen auf: Die Katze frisst nicht mehr so recht, ist müde und hat vielleicht etwas Fieber. Diese Nebenwirkungen treten meistens wenige Stunden nach der Impfung auf und können ein bis drei Tage andauern. Sie sind im Allgemeinen von milder Natur und verschwinden von alleine. Da die Wirkung der Impfstoffe über die Stimulation des Immunsystems vermittelt wird, werden diese Nebenwirkungen in Kauf genommen.
Es kann auch vorkommen, dass nach einer Impfung milde Symptome der Erkrankung auftreten, gegen die der Impfstoff gerichtet war. So können z. B. Schnupfen, Niesen und Nasenausfluss nach einer Katzenschnupfen-Impfung auftreten.
Gelegentlich kommen nach Impfungen auch allergische Reaktionen vor: Bei der Katze äussern sich diese am häufigsten als Durchfall, Erbrechen, Atemprobleme und Nesselfieber. In sehr seltenen Fällen kann es zum Tod der Katze kommen. Diese Nebenwirkungen treten Sekunden oder Minuten nach der Impfung auf und können 24 bis 48 Stunden dauern. Die Patienten müssen für diese Zeit beobachtet werden, und eine Therapie durch den Tierarzt kann notwendig sein.
Ob Impfungen zu einer klinisch relevanten Schwächung des Immunsystems führen können, ist bis heute nicht eindeutig bewiesen.

Örtlich begrenzte Nebenwirkungen kommen an der Impfstelle relativ oft vor. Sie äussern sich v. a. als Schmerzen und Schwellungen. Diese gutartigen Schwellungen verschwinden meistens spontan nach Wochen bis Monaten. Gravierende lokale Nebenwirkungen treten bei Katzen in Form eines bösartigen Tumors, eines so genannten Sarkoms, auf. Darauf wird im Folgenden näher eingegangen.

 

Durch eine Impfung ausgelöste Tumore (Sarkome)

Laut amerikanischen Studien treten diese Sarkome bei einer bis zehn von 10 000 geimpften Katzen auf. Meistens sind Impfstoffe gegen Tollwut oder FeLVfür die Entwicklung dieser Tumore verantwortlich. Im Allgemeinen handelt es sich bei diesen Sarkomen um Tumore des Bindegewebes. Sie treten dort auf, wo eine Impfung verabreicht wurde, häufig zwischen den Schulterblättern oder seitlich in der Brustkorbgegend. Das Verhalten dieser Sarkome ist sehr bösartig. Die Tumorzellen breiten sich rasch in der Tiefe der Unterhaut aus und dringen zwischen und durch die Muskulatur bis zur Wirbelsäule. Ableger in weiter entfernte Organe wie Lunge und Lymphknoten sind möglich. Da gutartige entzündliche Reaktionen nach einer Impfung häufig auftreten und zu Beginn stark einem Sarkom ähneln, ist es äusserst wichtig, gutartige von bösartigen Schwellungen zu unterscheiden.

Verdacht auf ein Sarkom besteht: 1. Wenn die Masse drei oder mehr Monate nach der Impfung noch vorhanden ist. 2. Wenn die Masse grösser als zwei Zentimeter im Durchmesser ist. 3. Wenn die Masse vier Wochen nach der Impfung noch wächst.
Ist eines dieser drei Kriterien gegeben, dann muss die Katze unbedingt dem Tierarzt vorgestellt werden, welcher weitere Untersuchungen veranlassen wird. Gewebeproben der Schwellung können den Verdacht eines Sarkoms bestätigen. Wird die Diagnose eines Sarkoms gestellt, dann überprüft man mittels einer vollständigen Blutuntersuchung das Allgemeinbefinden des Patienten. Anhand von Röntgenbildern der Lunge stellt man sicher, dass keine Hinweise für Ableger des Tumors vorhanden sind.

Die beste Therapie gegen ein Sarkom ist eine frühzeitige, vollständige chirurgische Entfernung. Manchmal ist zusätzlich auch eine Strahlentherapie angebracht. Trotz dieser aufwändigen Therapie bleibt die Prognose für viele Patienten schlecht. Umso wichtiger ist es deshalb, unnötige Impfungen (v. a. gegen Tollwut und FeLV) zu vermeiden.

 

Wie kann das Risiko von unerwünschten Impfreaktionen gesenkt werden?

Obwohl die Notwendigkeit, Katzen weiterhin zu impfen, unbestritten ist, haben die möglichen Nebenwirkungen (insbesondere das nicht unerhebliche Risiko eines durch eine Impfung ausgelösten Sarkoms) Tierärzte und Tierbesitzer/innen sensibilisiert und dazu geführt, dass die seit Jahrzehnten durchgeführten Impfprotokolle revidiert wurden. Anhand von wissenschaftlichen Studien konnte bei manchen Krankheiten gezeigt werden, dass jährliche Impfungen nicht notwendig sind.