Die wichtigsten Infektionskrankheiten und die neusten Erkenntnisse über deren Impfstoffe werden nachfolgend dargestellt.
Katzenseuche
Die Katzenseuche ist ein typisches Beispiel für den Erfolg in der Bekämpfung einer Krankheit durch Einführung eines Impfstoffes. So werden heute in der Kleintierpraxis nur noch sehr selten Katzen mit Katzenseuche vorgestellt. Die Erkrankung wird durch ein Virus, das Parvovirus, verursacht. Die klinischen Krankheitszeichen variieren von leichter Appetitlosigkeit und Müdigkeit mit anschliessender Erholung bis hin zum akuten Auftreten von Fieber, Erbrechen, blutigem Durchfall und Tod innerhalb weniger Stunden oder Tage. Die heute gebräuchlichen Impfstoffe bewirken einen sehr langen und guten Schutz gegen die Infektion und die Erkrankung mit Parvoviren. Insbesondere wurde in mehreren Studien gezeigt, dass die Dauer des Schutzes nach einer Parvovirus-Impfung mehrere Jahre anhält und deswegen eine jährliche Wiederholungsimpfung nach einer anfänglichen Grundimmunisierung nicht notwendig ist.

Katzenschnupfenkomplex
Der Katzenschnupfenkomplex ist eine auch heute noch häufig auftretende Erkrankung der oberen und seltener der unteren Atemwege. Mit dem verbreiteten Einsatz des Impfstoffes sind allerdings sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere der Erkrankung zurückgegangen. Häufigste Krankheitszeichen sind Niesen, Bindehautentzündung sowie Augen- und Nasenausfluss. Verschiedene Viren und Bakterien sind für den Katzenschnupfen verantwortlich. Für zwei der am häufigsten verantwortlichen Erreger, nämlich das Herpes- und das Calicivirus, wurde eine Schutzdauer nach der Grundimmunisierung von mehr als einem Jahr nachgewiesen. Seit einiger Zeit sind auch Impfstoffe gegen zwei weitere Miterreger des Katzenschnupfenkomplexes, nämlich Chlamydophila felis und Bordetella bronchiseptica, auf dem Markt. Eine routinemässige Impfung aller Katzen gegen diese zwei Erreger wird jedoch nicht empfohlen.

Felines Leukämievirus
Infektionen mit dem felinen FeLV kommen in der Schweiz noch relativ oft vor. Je nach Gegend sind 3-10 % der Katzen infiziert, dies, obwohl die Häufigkeit dank der zur Verfügung stehenden diagnostischen Tests sowie der Impfprogramme stark abgenommen hat. Die Symptome sind sehr vielfältig. Durch die Immunschwäche kann es zu verschiedenen sekundären Infektionskrankheiten kommen. Blutbildveränderungen wie eine Anämie (Armut der roten Blutkörperchen) oder eine Leukämie (Erkrankung der weissen Blutkörperchen) sowie ein Lymphosarkom (Tumor der lymphatischen Organe) können auftreten. Vor allem Katzenwelpen, die jünger als 4 Monate sind und intensiven Sozialkontakt zu anderen Katzen haben, sind für die Krankheit gefährdet. Eine Katze, die nur in der Wohnung gehalten wird und keinen Kontakt mit infizierten Katzen hat, muss nicht gegen FeLV geimpft werden. Bei Freilaufkatzen (v. a. ältere Tiere), die sich kaum vom Haus entfernen oder deren Risiko, mit infizierten Artgenossen in Kontakt zu kommen, als gering eingestuft werden kann, empfiehlt es sich, mit dem Tierarzt zu besprechen, ob sie gegen FeLV geimpft werden sollen.

Feline infektiöse Peritonitis
Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist immer noch eine sporadisch auftretende, sehr frustrierende Erkrankung. Sie wird durch ein felines Coronavirus verursacht. Die klinischen Symptome sind abhängig von der Form der Erkrankung. Bei der „trockenen“ FIP kommt es zu ganz unterschiedlichen Symptomen, je nachdem, welches Organ betroffen ist (z. B. Augenveränderungen, neurologische Störungen); bei der „nassen“ Form kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Bauch- oder Brustraum, was zu einer Bauchumfangsvermehrung oder zu Atemproblemen führt. Obwohl nach wie vor über die FIP geforscht wird, wurden in den letzten Jahren bezüglich Therapie und Vorbeugung nur wenige wichtige Fortschritte gemacht. Im Gegenteil, die anfänglichen Hoffnungen, die man in die FIP-Vakzine gesetzt hat, wurden enttäuscht: Die Impfung ist nicht schädlich, hat aber eine geringere Wirkung, als früher propagiert wurde. Sie ist deswegen nur selten zu empfehlen.

Tollwut
Die Schweiz ist frei von Tollwut. Bei der Tollwut handelt es sich um eine Erkrankung der Säugetiere, welche durch das Tollwutvirus verursacht wird. Verhaltensstörungen, Stimmveränderungen, Schluckbeschwerden, erhöhter Speichelfluss, Muskelkrämpfe und Lähmungserscheinungen sind typische Krankheitszeichen. Die Krankheit verläuft tödlich. Katzen, die ins Ausland gehen, müssen gegen Tollwut geimpft werden. Ausserdem bestehen je nach Land auch Vorschriften über den Nachweis von neutralisierenden Antikörpern gegen Tollwutviren. Da die Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind, wird empfohlen, sich genau über Aus- und Rückreisebestimmungen zu informieren, bevor man eine Katze mit auf Auslandreisen nimmt, v. a., wenn es sich um ein Land handelt, das nicht tollwutfrei ist.
Zusammenfassung
Trotz den Empfehlungen seitens vieler Experten, die Anzahl der Impfungen und die jährliche Wiederholungsimpfungen für manche Krankheiten zu reduzieren, wird auch heute die Notwendigkeit von Impfungen von Katzen nicht in Frage gestellt. Nebenwirkungen von Impfungen treten jedoch auf – durch Impfungen verursachte Sarkome bei der Katze sind ein eindrückliches Beispiel dafür. Bevor eine Katze geimpft wird, sollte daher stets eine Nutzen-Risiko-Analyse gemacht werden. Die Tiere sollten nicht nach einem fixen Schema geimpft werden, sondern die Impfprotokolle sollten für jedes Tier individuell durch Besitzer/in und Tierarzt besprochen werden. Folgende Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden: Schwere und Art der Erkrankungen, Ansteckungsrisiko des Patienten, mögliche Nebenwirkungen sowie gesetzliche Gegebenheiten (im Fall der Tollwut-Impfung).

Zusammenfassend kann folgende Empfehlung angegeben werden:

  1. Eine Grundimmunisierung von Katzen gegen das feline Parvo-, das Herpes- und das Calicivirus (= Erreger der Katzenseuche und des Katzenschnupfens) wird empfohlen. Die erste Wiederholungsimpfung sollte ein Jahr nach der Grundimmunisierung erfolgen. Das Intervall weiterer Wiederholungsimpfungen soll für jede Katze individuell nach Berücksichtigung der oben erwähnten Faktoren festgelegt werden. Manche Expertenkommissionen schlagen vor, dass unter günstigen Umständen das Intervall bis auf drei Jahre verlängert werden kann.
  2. Eine Impfung gegen FeLV wird nur für Katzen empfohlen, die in Kontakt mit FeLV-infizierten Artgenossen kommen könnten.
  3. Eine routinemässige Impfung aller Katzen gegen feline infektiöse Peritonitis (FIP), Chlamydophila felis und Bordetella bronchiseptica wird nicht empfohlen.
  4. Die Empfehlungen für Tollwut-Impfungen müssen die Gesetzgebung berücksichtigen.